Sonntag, 3.3.19

Heute morgen bin ich deprimiert aufgewacht; die Situation vieler wilder und vernachlässigter Hunde und der Überhand nehmende Abfall, der entlang der Strassen, an den Ufern und in den Feldern herumliegt, machen mir zu schaffen. Dann beim Morgenspaziergang wieder Unrat, wilde Hunde, ein Meer von Gewächshäusern sowie eine totgefahrene Eule mitten auf der Strasse – und das nur wenige Meter von einem Strassenschild entfernt auf dem das Riserva Naturale Pino D’Aleppo mit den Worten angekündigt wird ‘hier ist die Natur geschützt’ -. Puuh da verstehe einer die Leute, die ganze Wohnzimmer und allen Küchenabfall inkl. der Bierflaschen einfach irgendwo deponieren, selbst aber rausgeputzt im sauberen Auto vorfahren. Wir fahren weiter, natürlich nicht ohne die angeketteten Hunde mit Wasser und Futter versorgt zu haben. Hügelrücken prägen nun das Hinterland der Küste, die weitere kilometerlang mit Gewächshäusern und ihren Plastikabdeckungen verbaut ist. Heute hat das Meer eine ganz helle Farbe und verschmilzt fast mit den Gewächshäusern, so dass man fast nicht sieht, wo das eine aufhört und das andere beginnt. An der Stadt Gela und seiner grossem Industriegebiet (Raffinerie und Chemie), fahren wir raschmöglichst vorbei, auch weil es betreffend Mafia und Kriminalität einen schlechten Ruf geniesst. Der weitere Verlauf der Südküste ist dünner besiedelt, viele Artischokenfelder und Oliven sogar Reben bestimmen das Bild. Der anvisierte Stellplatz in Licata (von hier geht die Fähre nach Valletta/Malta) ist vermüllt und zudem geschlossen, also versuchen wir’s in Marina di Palma – keine Angst, so schnell haben wir das Land nicht gewechselt -, nur die Provinz: wir sind jetzt in Agrigent und es ist der Küstenabschnitt, der zum höher liegenden Ort Palma di Montechiaro gehört. Am Sonntag über die Mittagszeit ist hier viel los, viele winken uns erfreut zu und einer hält uns sogar an und sagt, er nehme an wir suchten einen guten Platz. Zusammen mit Frau und Kindern lotst er uns dann den Hügel hinauf, wo sich tatsächlich hinter dem Castello di Montechiaro ein Platz wie für uns geschaffen zeigt: gross genug, auch zum kehren, flach, ruhig gelegen ausserhalb des Dorfes, super Aussicht und jedwelche Spaziermöglichkeiten. Dank Salvatore und seiner sympathischen Marina ist meine Laune deutlich gestiegen. Als uns dann Andrea auch noch den von ihm in Facebook geposteten Artikel zum Hundeelend in Scoglitti schickt, den wir natürlich umgehend weiterleiten, bin ich wieder halbwegs mit Sizilien versöhnt. Wir steigen zum Castello hinauf, das im 14. Jahrhundert zum Schutz gegen Piraten erbaut wurde. Es wird nichts mit ‘my home, my castle’, das Eingangstor ist verschlossen. Dafür geniessen wir eine unvergleichlich schöne Aussicht auf die Küste, die Strandabschnitte, das Meer und die saubere! Gegend. Die kurzzeitig aufgekommenen dunklen Wolken lassen nur ein paar Tropfen fallen, dann wird es wieder sonnig, wir können bei 18°C Türe und Fenster geöffnet lassen und hören sogar Vogelgezwitscher. Es scheint ein beliebter Sonntags-Ausflugsort zu sein, jedenfalls ist der Parkplatz und der Weg zum Schloss zeitweise recht belegt. Gegen Abend nehmen wir den Weg hinunter in Angriff. Er führt uns an eine Felsenkante, von der aus wir links den Schlossberg und die darunter liegenden zerklüfteten Felsen zum Meer hin sehe, rechts weisse von Sand und Wind rundgeschliffene Kalksteinfelsen und dazwischen die untergehende Sonne, die ein weiches, fotogenes Licht an Land schickt. Als wir von unserem 1 ½ stündigen Ausflug zurückkommen, hängt eine Tüte an unserer Türe. Wir wundern uns nur kurz, dann erkennen wir die Visitenkarte von Salvatore, der uns eine Fasnachts-Spezialität der Gegend hinterlassen hat. Mmhhh süss und sehr, sehr fein schmecken diese in Schmetterlings- und Meitschibei-Form hergestellte Spezialität; vom Geschmack her haben sie eine Ähnlichkeit mit unseren Fasnachts-Chüechli. So gibt es heute zweierlei Regionales, zuerst Artischocken und nachher ‘specialità di carnevale del paese’.