Sonntag, 7.7.19

In Olderfjord füllen wir Wasser auf, dann geht’s auf die E69 in Richtung Nordkap. Mittlerweile hat sich die Sonne voll entwickelt und der Blick auf die Eismeerküstenlandschaft ist unvergleichlich einladend: dunkelblaues Meer, grün-gelbliche Wiesen und Felsen wie Bücherseiten. Bei 18°C ! wandern wir über Mittag von der Küste aus auf einen der grün von Flechten, Moosen, Gräsern und Blütenpflanzen überwachsenen Felsen. Trotz der kurzen Wachstumsperiode im Sommer ist die Pflanzenwelt vielfältig. Etwa 200 Pflanzenarten der subarktisch alpinen Vegetation sind hier zu finden. Ganz klein erkennen wir unten die rege von Wohnmobilen befahrene Küstenstrasse und auf dem Parkplatz unser ‚Heim‘. Rentiere treffen wir auf diesem Trip keine an, erst weiter oben zeigen sich einige der von April bis September auf der Insel weidenden ca. 5000 Rentiere. Diese stammen – wie man uns informiert – von den Samen nahe der norwegisch-finnischen Grenze, von wo diese im Frühjahr mit Lastwagen und Landungsbooten der norwegischen Marine zur Insel transportiert werden. Im Herbst sind die Tiere dann so weit zu Kräften gekommen, dass sie die ca. 1,8 km lange Strecke zum Festland schwimmend zurücklegen können. Alle andern können bequem durch den bis 212 m tief unter den Wasserspiegel führenden, langen Tunnel auf die Insel Magroya, auf der es keine Bäume gibt, da die Baumgrenze ca. 150 km südlicher liegt. Die Webcam hat uns vorbereitet, am Nordkap herrscht wieder einmal Nebel vor. Bis ca. 500 m vorher scheint die Sonne vom azurblauen Himmel und plötzlich ist er da, der Nebel auf dem Plateau und der Stau vor dem Zahlhäuschen. Wir zahlen Eintritt, für einen Parkplatz auf der windigen Schotterfläche und für das Frühstück in der Nordkapphalle morgen früh 860 NOK, umgerechnet ca. CHF 100.-. Wir sind auf 71°10‘21“ am Nordkap angekommen – nach bisher 6241 km (+846 mit dem Kangoo) und 1289 l Diesel-Verbrauch -, das zur Provinz Finnmark gehört, geografisch gesehen in Lappland liegt und politisch in Norwegen!  Es stehen schon unzählige (geschätzte 100-120) Wohnmobile auf dem Platz, je 2-3 m voneinander getrennt, die reinste Ausstellung! Genau so machen wir das, lassen die Hunde im Auto und spazieren begleitet von starkem Wind durch die Ausstellung: aus D, S, FIN, A, CH, RUS, NL gibt es welche. Danach besuchen wir die „Nordkappshallen“, das aus dicken Felsbrocken erbaute und tief (3 Stockwerke) in den Fels hineingegrabene grosse Gebäude mit riesigem Shop, Postamt, Café, Bar und Panorama-Restaurant, einem Kino, einer Kapelle, einer ‚Höhle des Lichts‘, einem Museum und natürlich Treppen/Fahrstühlen und Toilettenanlagen. Seit über 300 Jahren haben sich Menschen aus aller Welt hierher begeben: Könige, Prinzen, Abenteurer, Entdeckungsreisende aber diese hatten es kaum so bequem wie die heutigen Besucher. Die Hurtigruten-Busse sind schon wieder auf der Rückfahrt, darum hat es relativ wenig Leute und kann man sich im Shop in Ruhe umsehen. Dann sehen wir, dass die schwersten Nebelschwaden sich am vorläufig verflüchtigen sind und wagen uns nach draussen aufs Plateau, wo der berühmte vielfotografierte Stahlglobus steht. Quasi ein Muss, sich neben diesem ablichten zu lassen als Beweis dass man da war. So schnell wie er weg war, so schnell ist der Nebel wieder hier und man kann kaum erkennen, wo das Wohnmobil steht. Mit den Hunden machen wir dann eine grosse Runde, dem 307 m hohen Felsplateau entlang, um Parkplatz, Halle, zum Globus und zur Skulptur Mutter und Kind sowie der Bilder-Installation, die von 7 Kindern aus verschiedenen Teilen der Welt erstellt wurde und die die über alle Grenzen reichende Hoffnung und Freundschaft symbolisiert. Um 20 Uhr – wir sind gerade beim Nachtessen – blendet uns die Sonne, der blaue Himmel und das Eismeer tief unten werden sichtbar, wie von Zauberhand ist der Nebel plötzlich weg … er spielt mit uns, im Halbstundentakt ist er da und wieder weg. Nun hoffen wir auf weiterhin grosses Wetterglück und dass wir die Mitternachtssonne dann ohne Nebel sehen können.

Video Nordkap – Tour (Teil 1)

Video Nordkap – Tour (Teil 2)