Zur Jo Siffert Ausstellung
Am Freitag ist die Sonderausstellung zum 50. Todestag des Schweizer Formel 1 Fahrers Jo Siffert jeweils geöffnet, fast ein ganzes Jahr lang. Daher ist Givisiez/FR dieses Mal unser Ziel.
An einem regenarmen Tag Ende Juli 2021 – und die sind dieses Jahr äusserst selten – packen wir unsere Sachen und fahren westwärts. Wir lassen uns Zeit und starten einen Tag früher, um noch einen Schwenker in den von uns so geliebten Jura machen zu können. Überraschend sehen wir auf dem Gelände des Maison de la Tête de Moine vier gewaltige Skulpturen aus Heu. Diese grossartigen Kunstwerke, jedes in rund 7-tägiger Arbeit von 8 Personen gefertigt, sind bis Ende Oktober zu bestaunen. Ein Stopp und genaueres Betrachten lohnt sich. Zudem kann hier – im Anbau der Abtei von Bellelay – der leider nicht veganen Käseherstellung beigewohnt werden (Wikipedia: Tête de Moine, französisch für «Mönchskopf») ist ein Halbhartkäse, der aus unbehandelter Kuhmilch hergestellt wird. Seine Ursprünge liegen im 12. Jahrhundert im Kloster Bellelay.Traditionell wird Tête de Moine nicht in Scheiben geschnitten, sondern hauchfein geschabt.)
Unser erster Tag mit genussreicher Fahrt durch die malerische Gegend, die durch weite Weiden und grosse, freistehende Fichten geprägt ist, endet nach 207 km auf der leicht gewellten Hochfläche des Plateaujura, auf 980 m ü.M. in Saignelégier. Hier findet jeweils im August das nationale Fest der Freiberger Pferde statt und liegt das tief eingeschnittenen Tal des Doubs ganz nahe.
Am nächsten Tag führt uns der Weg via La Chaux-de-Fonds nach Fribourg-Givisiez, wo eine Strasse nach dem erfolgreichen Schweizer Formel-1 und Sportwagen-Rennfahrer Jo Siffert benannt wurde, der vor 85 Jahren hier in Fribourg zur Welt kam und vor 50 Jahren bei einem Rennen in England starb kam Jo Siffert – Wikipedia. Siffert hat in den 60er bis anfangs der 70er Jahre sehr viele Rennen erfolgreich bestritten. Er war der erste Schweizer überhaupt, der einen zur WM zählenden Grand Prix gewonnen hat.
Mit seinen herausragenden Siegen im Porsche 917 wurde Siffert auf der ganzen Welt zum Star. So wie heute Hamilton im Mercedes, war Siffert im Porsche kaum zu schlagen. Entsprechend populär und geachtet war Jo Siffert von der Schweizer Bevölkerung. Und ist es bis heute geblieben.
Im Swiss Viper Museum werden aus Anlass des 50. Todestages noch bis Ende Jahr Dokumente, Bücher, Fotos, Filme, Modellautos und einige von Jo Siffert gefahrene Rennfahrzeuge gezeigt. Auch an diesem Freitagnachmittag sind zahlreiche Interessierte hierhergekommen, um sich u.a. Rennautos wie Porsche, Lotus oder BRM, die Jo Siffert auf den Rennstrecken dieser Welt fuhr, aus der Nähe anzuschauen. Speziell seine Siege mit dem Porsche 917 (der später zum Rennwagen des 20. Jahrhunderts gekürt wurde) in den Langstreckenrennen sind bis heute unvergessen geblieben. Jo Siffert war von jung an fasziniert am Motorsport, war im Auto-Gewerbe tätig und besass eigene Garagen. Er hat sich seinen Weg vom Motorrad- zum Automobil-Rennsport aus eigenem Antrieb verdient. Keinem Vergleich hält seine Karriere mit heutigen Formel-1 Grössen stand. Am Anfang noch finanziell begrenzt musste er mit minimalem Aufwand und Infrastruktur zusammen mit seinen treuen und hochqualifizierten Mechanikern seine Karriere aufbauen. Da waren nicht Milliarden schwere Väter oder Oligarchen, die wie heute ihren kaum dem Kinderwagen entstiegenen Söhnen Karriere, Autos und ganze Teams kaufen. Was Siffert auszeichnete, war der Biss, der Durchhaltewille und die Klasse zum Sieg, kein Vergleich mehr mit dem heutigen ausufernden Zirkus. Siffert ist auf die gleiche Stufe zu stellen wie heute Hamilton.
Der Palmares von Jo Siffert ist lang. Nebst einer gedruckten Biografie gibt es auch einen Dokumentarfilm mit dem Titel «Jo Siffert – Live fast, die young» in denen das Leben und Wirken von Siffert festgehalten und gewürdigt ist. Im Shop werden diverse Souvenirs und Merchandising Artikel und u.a. spezielle Uhren angeboten.
An dieser Stelle gilt auch der Dank seinem Sohn Philippe und allen Beteiligten, die diese Ausstellung sowie die noch folgenden Gedenkveranstaltungen ermöglicht und organisiert haben. Details www,josiffert21.ch
Kaum haben wir uns von der interessanten Hommage losgerissen, löst sich ein wahrer Wolkenbruch, der unseren Entschluss zur Weiterfahrt ändert. Wir bleiben über Nacht in Givisiez, lassen die Ausstellung wirken und stossen beim Gassigehen zufällig auf den Entdeckerweg .